E-Bike statt Auto
20. Oct. 2026
E-Bike statt Auto: Wie gut sind Klima und Gesundheit damit beraten?
E-Bikes machen das Radfahren für viele Menschen attraktiver. Sie erleichtern längere Strecken und steile Anstiege, fördern die Bewegung im Alltag und können dazu beitragen, Autofahrten zu ersetzen. Auch die Umwelt profitiert, wenn das E-Bike anstelle des Autos genutzt wird. Wie groß der ökologische Vorteil tatsächlich ist, hängt allerdings von verschiedenen Faktoren ab – darunter die Herstellung des Akkus, der verwendete Strom und die Lebensdauer des Fahrrads.
Gerade im Herbst nutzen viele Menschen die letzten warmen Tage, um draußen aktiv zu sein. Während einige wandern gehen, steigen andere aufs Fahrrad. In hügeligen Regionen kann die elektrische Unterstützung dabei ein entscheidender Vorteil sein. Steigungen lassen sich leichter bewältigen, längere Touren werden angenehmer und auch weniger trainierte Menschen können größere Entfernungen zurücklegen.
Dass E-Bikes längst im Alltag angekommen sind, zeigen die Verkaufszahlen aus Österreich: Bereits 2024 entfiel mehr als die Hälfte aller verkauften Fahrräder auf Elektromodelle. Nach Angaben des Verbands der Sportartikelerzeuger und Sportausrüster Österreichs (VSSÖ) war das der höchste Anteil in Europa. Dennoch hält sich das Vorurteil, E-Bikes seien vor allem für ältere Menschen gedacht, die mit einem herkömmlichen Fahrrad nicht mehr zurechtkommen.
E-Bikes sind längst nicht mehr nur für ältere Menschen
Tatsächlich gehörten ältere Menschen lange zu den wichtigsten Nutzergruppen. Der Elektromotor erleichtert das Fahren bei Steigungen, ermöglicht größere Reichweiten und kann körperliche Einschränkungen ausgleichen. Inzwischen hat sich die Zielgruppe jedoch deutlich erweitert.
Michael Nendwich, Präsident der Federation of the European Sporting Goods Industry (FESI), verweist auf Langzeitdaten aus den Niederlanden. Diese zeigen, dass neben älteren Freizeitfahrerinnen und Freizeitfahrern auch Menschen mittleren Alters, jüngere Frauen mit Kindern sowie Schülerinnen, Schüler und Studierende E-Bikes nutzen.
Besonders beliebt sind die elektrischen Fahrräder für den täglichen Weg zur Arbeit oder zur Ausbildungsstätte. Sie ermöglichen es, auch längere Strecken ohne übermäßige körperliche Anstrengung zurückzulegen. Gleichzeitig lassen sich Staus, Parkplatzsuche und viele der mit dem Auto verbundenen Kosten vermeiden.
Das E-Bike kann damit dazu beitragen, mehr Menschen fürs Radfahren zu gewinnen. Es erweitert die Einsatzmöglichkeiten des Fahrrads und macht es für unterschiedliche Altersgruppen und Fitnesslevel interessant.
Elektrische Unterstützung bedeutet nicht weniger Bewegung
Wer glaubt, dass man auf einem E-Bike kaum noch körperlich aktiv ist, unterschätzt den Trainingseffekt. Zwar ist die Belastung im Vergleich zum Fahren mit einem herkömmlichen Fahrrad häufig geringer. Dennoch kann E-Biken eine moderate körperliche Aktivität ermöglichen – abhängig von der gewählten Unterstützungsstufe, dem Gelände und dem persönlichen Einsatz.
Mit diesen Fragen beschäftigt sich unter anderem das europäische Forschungsprojekt „We-Bike!“, an dem auch die Fachhochschule Technikum Wien beteiligt ist. Untersucht wird die E-Bike-Nutzung in Belgien, Italien, den Niederlanden, Polen, Portugal und Österreich. Das Projekt soll unter anderem dazu beitragen, Schulungsmaterialien und Sicherheitsleitlinien zu entwickeln und Empfehlungen für die Einbindung von E-Bikes in eine nachhaltige städtische Mobilität zu erarbeiten. Es läuft noch bis Juni 2027.
Erste Ergebnisse zeigen, dass für viele Nutzerinnen und Nutzer vor allem Freiheit, Unabhängigkeit und Zeitersparnis zählen. Auch gesundheitliche Aspekte spielen eine wichtige Rolle.
Markus Eckelt von der Fachhochschule Technikum Wien betont, dass E-Bikes Menschen zu mehr Bewegung motivieren und dazu beitragen können, länger körperlich aktiv zu bleiben. Die elektrische Unterstützung hilft insbesondere dort, wo die Belastung sonst zu hoch wäre. Dadurch können beispielsweise längere Touren unternommen oder Steigungen bewältigt werden, die mit einem herkömmlichen Fahrrad möglicherweise gemieden würden.
Entscheidend ist dabei: Auch auf einem E-Bike müssen die Fahrerinnen und Fahrer selbst in die Pedale treten. Wie intensiv das Training ausfällt, lässt sich über die Unterstützungsstufe und die eigene Fahrweise beeinflussen.
Sicherheit hat beim E-Bike Vorrang
Die Unterstützung durch den Motor kann allerdings auch dazu führen, dass höhere Geschwindigkeiten erreicht werden. Damit steigen die Anforderungen an die Fahrenden und an die Sicherheitsausstattung. Wer mit dem E-Bike unterwegs ist, sollte deshalb nicht nur auf die Reichweite und den Fahrkomfort achten, sondern auch auf eine angemessene Ausrüstung.
Im Rahmen des Projekts „We-Bike!“ wurde eigens ein Schulungsvideo zur sicheren Nutzung entwickelt. Markus Eckelt hebt insbesondere die Bedeutung eines passenden Fahrradhelms hervor. Bei höheren Geschwindigkeiten können die Anforderungen an den Schutz größer sein als beim langsamen Radfahren.
Für schnelle Fahrten können daher Helme sinnvoll sein, die für höhere Geschwindigkeiten geprüft wurden und größere Bereiche des Kopfes abdecken. Wichtig ist, dass der Helm zur jeweiligen Nutzung passt und korrekt sitzt.
Auch die Bremsanlage sollte zum Einsatzzweck des Fahrrads passen. Hydraulische Scheibenbremsen können aufgrund ihrer Bremsleistung eine geeignete Wahl sein, insbesondere bei höheren Geschwindigkeiten, längeren Abfahrten und einem höheren Gesamtgewicht. Daneben sind eine funktionierende Beleuchtung, gut gewartete Reifen und regelmäßige Kontrollen der Bremsen wichtige Voraussetzungen für sicheres Fahren.
Wie klimafreundlich ist ein E-Bike wirklich?
Ein E-Bike verursacht während der Fahrt deutlich weniger direkte Emissionen als ein Auto. Allerdings ist es nicht völlig klimaneutral. Für die Herstellung werden Rohstoffe und Energie benötigt. Das gilt für den Rahmen ebenso wie für Motor, Elektronik und Akku. Auch das Laden verbraucht Strom. Hinzu kommen die Auswirkungen von Wartung, Reparaturen und der späteren Verwertung oder Entsorgung.
Wie gut die Umweltbilanz ausfällt, hängt deshalb unter anderem davon ab, wie lange das Fahrrad genutzt wird, wie groß und langlebig der Akku ist und aus welchen Quellen der Ladestrom stammt. Je länger ein E-Bike zuverlässig im Einsatz bleibt, desto besser können sich die Umweltbelastungen aus seiner Herstellung auf die gefahrenen Kilometer verteilen.
Im Vergleich zum Pkw ist die Umweltbilanz pro Kilometer dennoch in der Regel deutlich günstiger. Besonders groß ist der Vorteil, wenn das E-Bike regelmäßig für Alltagswege eingesetzt wird und dadurch Autofahrten entfallen.
E-Bike statt Auto: Darauf kommt es an
Der größte ökologische Nutzen entsteht nicht allein dadurch, dass jemand ein E-Bike besitzt. Entscheidend ist vielmehr, welches Verkehrsmittel dadurch ersetzt wird.
Wer eine Strecke, die bisher zu Fuß oder mit dem normalen Fahrrad zurückgelegt wurde, künftig elektrisch fährt, spart in der Regel nur wenig zusätzliche Emissionen ein. Anders sieht es aus, wenn für dieselbe Strecke das Auto stehen bleibt. Dann können sowohl der Energieverbrauch als auch die verkehrsbedingten Emissionen erheblich sinken.
Besonders interessant ist das E-Bike für mittlere Entfernungen. Untersuchungen aus den Niederlanden deuten darauf hin, dass vor allem Strecken von mehr als sieben Kilometern für den Umstieg infrage kommen. Auf solchen Distanzen erscheint das klassische Fahrrad im Alltag manchen Menschen zu langsam oder zu anstrengend. Gleichzeitig ist die Fahrt mit dem Auto häufig mit einem vergleichsweise hohen Energieaufwand verbunden.
Ob der Umstieg tatsächlich gelingt, hängt jedoch auch von den Rahmenbedingungen ab. Sichere Radwege, gute Abstellmöglichkeiten und eine verlässliche Verkehrsinfrastruktur machen es leichter, das Auto häufiger stehen zu lassen. Ebenso wichtig sind ein passendes Fahrrad, eine ausreichende Reichweite und eine realistische Einschätzung der eigenen Bedürfnisse.
Fazit: Mehr Bewegung und weniger Autofahrten
E-Bikes können gleich mehrfach einen positiven Beitrag leisten: Sie erleichtern den Zugang zum Radfahren, ermöglichen regelmäßige Bewegung und können helfen, den Autoverkehr zu reduzieren. Wie stark Klima und Gesundheit davon profitieren, hängt allerdings von der Nutzung ab.
